Großes Interesse am Fachvortrag „Der Haunsberg – Adelssitz und kaiserlicher Glanz“ von Hofrat Mag. Reinhold Mayer.
Zahlreiche geschichtsinteressierte Besucherinnen und Besucher folgten am Donnerstagabend der Einladung zum Fachvortrag „Der Haunsberg – Adelssitz und kaiserlicher Glanz“ in den Einlegersaal des Museums im Einlegerhaus. Museumsobmann Günter Lechner konnte neben vielen Interessierten aus Obertrum und den umliegenden Gemeinden auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen, darunter Fürst Franz Josef Auersperg-Trautson,, Obmann des Vereins zur Erhaltung der Kaiser-Franz-Josef-Kapelle, Ehrenbürger Schulrat Roman Stubhan, Vertreterinnen und Vertreter des Obst- und Gartenbauvereins unter der Leitung von Elisabeth Antfellner sowie Maria und Andreas Hofer. Ebenso waren Abordnungen weiterer Vereine und zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Gemeinden wie Seeham, Anthering und anderen Orten der Region anwesend. Besonders erfreulich war auch die Teilnahme mehrerer Landwirte vom Haunsberg.
Bereits die Einleitung des Abends sorgte für Aufmerksamkeit. Der Museumsobamnn präsentierte einen eigens verfassten Text mit dem Titel „Griaß euch, ich bin´s der Haunsberg“, in dem der Haunsberg selbst als Erzähler auftritt und aus seiner jahrhundertelangen Geschichte berichtet (Text siehe unten).
Danach kam der Hauptredner des Abends, Hofrat Mag. Reinhold Mayer spannte einen beeindruckenden historischen Bogen von den Anfängen der Besiedelung über das späte Mittelalter bis in die Neuzeit. Besonders ausführlich widmete er sich dem Adelsgeschlecht der Edelfreien von Haunsberg, deren Aufstieg, Blütezeit und späterer Niedergang die Entwicklung der gesamten Region über Jahrhunderte hinweg prägten. Mit fundiertem Wissen und zahlreichen historischen Zusammenhängen zeichnete der Bezirkshauptmann a.D. die Bedeutung des Haunsbergs als politischen, kirchlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt seiner Zeit nach.
Besonders interessant waren die Ausführungen zum historischen Besuch Kaiser Josephs II. im Jahr 1779. In Verbindung mit der Kaiserbuche, der Steinpyramide mit Kaiserkrone sowie der Kaiser-Franz-Josef-Gedächtniskapelle stellte Hofrat Mayer die Bedeutung dieses Ereignisses eindrucksvoll dar. Seinen Recherchen zufolge erfolgte die Reise des Kaisers teilweise inkognito und über bewusst gewählte Umwege. Joseph II. wollte vermeiden, dass seine Absicht bekannt wurde, den damals zum Erzstift Salzburg gehörenden Haunsberg persönlich zu besuchen. Ziel seiner Reise war es, sein neu erworbenes Herrschaftsgebiet kennenzulernen, sich selbst ein Bild vom Land zu machen und die territoriale Einteilung besser beurteilen zu können.
Zum Abschluss überraschte Hofrat Mayer den Museumsverein mit zwei besonderen Geschenken. Er überreichte eine Erinnerungsmedaille mit der Aufschrift „Kaiserbuche“ und der Jahreszahl 1779. Die Darstellung nimmt Bezug auf den historischen Besuch Kaiser Josephs II. im Jahr 1779 und weißt zugleich an die später entstandenen Erinnerungsstätten rund um die Kaiserbuche.
Zum anderen brachte er eine historische Steintafel mit, die vor mehr als 120 Jahren an der Kaiser-Franz-Josef-Gedächtniskapelle neben der Kaiserbuche angebracht war. Die Tafel wurde von der Familie Stemeseder vom „Gasthaus zur Kaiserbuche“ an Hofrat Mayer übergeben und von diesem nun dem Museumsverein als Geschenk zur Verfügung gestellt. Oberhalb der Tafel befand sich einst ein Adlhart-Kreuz, wodurch sich auch ein Bezug zur aktuellen Sonderausstellung „Der Bildhauer Jakob Adlhart und sein Wirken in Obertrum und darüber hinaus“ ergibt.
Die beiden besonderen Objekte stellen eine wertvolle Bereicherung für die Sammlung des Museums dar. Mayer meinte: „Solche besonderen Stücke gehören in ein Museum, und hier sind sie gut aufgehoben.“ Der Museumsverein bedankt sich herzlich bei Hofrat Mag. Reinhold Mayer sowie bei der Familie Stemeseder für diese großzügigen Ausstellungsgeschenke.
Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich begeistert von der fachlichen Kompetenz des Referenten und der lebendigen Vermittlung regionaler Geschichte. Der Vortrag machte eindrucksvoll deutlich, welch reiches kulturelles Erbe die Haunsbergregion besitzt und wie wichtig es ist, dieses Wissen zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.
Mit seinen fundierten Recherchen und verständlichen Erläuterungen vermittelte Hofrat Mag. Reinhold Mayer ein lebendiges Bild der Geschichte des Haunsbergs und seiner Umgebung.


















Ich, der Haunsberg!
Anlässlich des Vortrags „Der Haunsberg – Adelssitz und kaiserlicher Glanz. Von den Edelfreien von Haunsberg und dem historischen Besuch Kaiser Joseph II.“ von Hofrat Mag. Reinhold Mayer am 11. Juni 2026 verfasste Günter Lechner den Text „Ich, der Haunsberg“. Darin blickt der Haunsberg als fiktiver Erzähler auf seine Geschichte, die Menschen der Region und die Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte zurück.
„Griaß euch, ich bin der Haunsberg.
Ja, genau der.
Der da draußen vor der Tür. Der mit dem Wald, den Bächen, der Wiesen, den Wegen, der Kaiserbuche und der Kapelle nebenbei, und die vielen Geschichten.
Es gibt Leute, die nennen mich Berg.
Andere nennen mich Wahrzeichen.
Einige sagen, ich wäre ihr Hausberg.
Und manche nennen mich ihre Heimat. Das gefällt mir eigentlich am besten.
Ich bin schon etwas älter.
Genau genommen so alt, dass ich aufgehört habe mitzuzählen.
Als ich jung war, gab es weder Obertrum noch Nußdorf, Anthering oder Berndorf.
Es gab keine Straßen, keine Autos und ganz sicher keine Smartphones.
Dafür gab es viel Wald, viel Ruhe und Menschen, die noch wussten, wie man sich nach den Sternen und der Natur orientiert.
Ich habe viele kommen und gehen sehen.
Kelten.
Römer.
Ritter.
Kaiser.
Erzbischöfe.
Politiker.
Und seit einiger Zeit auch Mountainbiker.
Bei manchen war ich mir nicht sicher, welche Gruppe die gefährlichere ist.
Die Edelfreien von Haunsberg haben einst meinen Namen getragen.
Damals war ich so etwas wie eine prestigeträchtige Adresse.
Heute genüg ich für eine Wanderkarte.
Die Zeiten ändern sich.
Besonders erinnere ich mich an einen Besucher namens Joseph. Kaiser Joseph II.
Er kam 1779 zu mir herauf, schaute über das Land und genoss die Aussicht.
Heute machen die Menschen an derselben Stelle ein Selfie.
Der Blick ist derselbe geblieben.
Die Wahrnehmung ist eine andere.
Viele glauben, ich sei nur ein Berg.
Aber ich bin viel mehr.
Ich bin Grenzgänger und Verbindung zugleich.
Ich gehöre zu Obertrum.
Und zu Nußdorf.
Und zu Anthering.
Und zu Berndorf.
Eigentlich gehöre ich niemandem.
Und genau deshalb gehöre ich euch allen.
Ich habe Holz gespendet, Schutz geboten und Orientierung gegeben.
Auf meinen Wegen gingen Bauern, Holzknechte, Jäger, Wallfahrer, Verliebte, Familien und Kinder.
Nicht alle von ihnen haben Geschichte geschrieben.
Aber alle waren Teil davon.
Wisst ihr, was mich am meisten freut?
Dass sich Menschen heute noch für meine Geschichten interessieren.
Dass sie ins Museum gehen.
Dass sie alte Fotos aufheben.
Dass sie fragen: „Wie war das damals?“
Denn Erinnerungen sind wie Wege im Wald.
Wenn niemand sie benutzt, wachsen sie zu.
Und deshalb bin ich heute Abend gerne hier.
Nicht weil es um mich geht.
Sondern weil es um die Menschen geht, die auf, um und mit mir gelebt haben.
Ihre Geschichten sind mein Gedächtnis.
Und dieses Museum hilft dabei, dass dieses Gedächtnis lebendig bleibt.
Also lehnt euch zurück.
Hört gut zu.
Und wenn ihr später nach Hause geht und draußen den Haunsberg seht, denkt daran:
Ich stehe morgen noch da. So wie gestern. So wie vor hundert Jahren.
Und hoffentlich auch noch für viele Generationen nach euch.
Euer Haunsberg„